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Allgäuer Alpenblog

geschrieben am 12. November 2015

Alpenwellness im Allgäu: Einmal aussteigen, bitte. Hartung’s Hotel Dorf. Ein Hotelprotrait von Susanne Baade und Dirk Lehmann.

Alpen… äh, was bitte? Alpenwellness?

Wir wollen wissen, ob es sich wirklich anders anfühlt, wenn man sich zwischen Almen anstrengt oder auf 1000 Metern Höhe entspannt.

Wir? Eine Fotografin und ein Autor aus Hamburg, zwei Reisejournalisten, die ihrer Sammlung an Länderpunkten einen neuen hinzu fügen – das Allgäu.

Station 7: “Hartung’s Hotel Dorf” ist eine eigene Welt, in die man komplett eintauchen kann, Seeblick inklusive

Allgäuer Alpenblog

Uff. Das kleine Allradfahrzeug rumpelt durch ein Schlagloch. Und wir, die wir hinten auf der Ladefläche sitzen, hüpfen kurz hoch und poltern dann auf den harten Boden. “Alles in Ordnung?” ruft Peter Hartung, der Mann, der den Wagen lenkt. Und er gibt sich nicht einmal Mühe, seine Stimme so zu verstellen, dass sie aufrichtig anteilnehmend klänge. Dafür bereitet es ihm viel zu viel Freude, uns Städter mal so richtig durch zu schütteln. Schon geht es in die nächste Kuhle im Waldweg hinauf zur Hütte.

Und wir genießen es. Gerade erst sind wir hier angekommen in Hopfen am See, der Hopfensee heißt. Mit Peter Hartung hatten wir vor ein paar Tagen noch telefoniert, hatten über unser Programm gesprochen, wie er uns sein Haus – “Hartung’s Hotel Dorf” – präsentieren wolle. Doch als wir dann heute vormittag vor ihm stehen, hat er den Plan kurzerhand überworfen.

Das Wetter sei noch so schön an diesem Herbsttag, und der Hoteldirektor in Lederhosen sagt, er wolle uns einen Ort zeigen, der für ihn besonders sei. Und in so einem Moment, da sagt man nicht “Aber wir hatten doch…”, da jammert man nicht über seine Hosen oder über den Druckstellen am Hintern. Da genießt man das Privileg, wahre Gastfreundschaft zu erfahren. Uff. Wieder ein Schlagloch.

Der Hopfensee ist ein glitzerndes Juwel zwischen Füssen und Hopferau, zauberhaft eingebettet in das hier eher hügelige Bergland, von dem aus man aber einen großartigen Blick hat auf die blauen Gipfel der Alpen. Und auf das weltberühmte Königsschloss, für das so viele Menschen her kommen. Hopfen am See ist nah genug dran, um über eine gute Infrastruktur zu verfügen. Und weit genug weg, um sich ein Stück seiner Identität gewahrt zu haben. Dasselbe gilt für “Hartung’s Hotel Dorf”. Es ist groß genug, um sich den Ansprüchen seiner Gäste stellen zu können. Und dennoch echt.

Dazu später mehr. Jetzt rumpeln wir erstmal auf der Ladefläche zu einer im Wald gelegenen Hütte. Von außen ist die nicht sooo sexy, aber kaum hat Peter Hartung aufgeschlossen, steht man in einem schönen großen Raum, die Wände weiß verputzt, ein derber Steinboden, in der Ecke bullert ein Ofen. Eine Tür wird geöffnet. Man tritt heraus auf die Veranda, und weit geht der Blick. Man kann sich gar nicht satt sehen. Peter Hartung drückt uns jeweils ein Bier in die Hand. Wir setzen uns auf die Bank, stoßen an. “Das wollte ich euch zeigen. Darum geht es hier – runter kommen, entspannen, raus aus dem Alltag.”

Später stehen wir um den Ofen und sehen ihm dabei zu, wie er Wiener Schnitzel vom Wild zubereitet, das Fleisch ordentlich paniert und dann in viel viel Butter brät. Dazu gibt es warmen Kartoffelsalat mit Zwiebeln. Und ein sehr offenes Gespräch über das Leben in den Bergen, den Tourismus in dieser Region und die Karriere eines Mannes, dem man zwar sofort ansieht, dass er irgendwie mehr Kerl ist als ein Hotelier sein muss. Doch erst als er sagt, dass er einst professionell Eishockey gespielt hat, passt das. Er erzählt, dass ihm irgendwann klar wurde, dass er mit seiner Art, mit seiner Direktheit und Starrköpfigkeit, eigentlich nur eine Möglichkeit hat – selbst Chef zu sein. Er stieg aus aus der Profi-Prügelei und bot seinen Eltern an, im Betrieb mit zu arbeiten, ihn später zu übernehmen.

Betrieb? Tatsächlich ist Hartung’s Hotel Dorf mehr als ein Hotel. Es ist auch ein Bauernhof – mit Rindviechern, Pferden und einer Jagd. Fleisch und Wurst für die Gäste kommen vom eigenen Hof, ein Schlachter im Nachbardorf übernimmt die Arbeit. Auf der Fahrt zurück ins Hotel haben wir kurz die Gelegenheit, durch die Ställe zu stromern. Es sind die Ställe von Bauern aus Leidenschaft, die Tiere haben sehr viel Platz. Und selbst wer den Unterschied im Fleisch nicht heraus schmecken kann, schon das Wissen um diese Bedingungen, lässt es besser schmecken.
Hartung’s Hotel Dorf ist ein Familienbetrieb. Es war das erste Hotel am Ort und ist groß geworden in der Zeit, in der noch viele Kur-Gäste kamen und ihnen auch Kneipp-Anwendungen verschrieben worden waren. Heute denkt man darüber nach, diesen Bereich zu verkleinern. Als Gast profitiert man von der Kur-Vergangenheit – die Wellness-Abteilung ist groß und licht, verfügt über eine Hüttensauna, einen Pool und einen offenen Gymnastikraum, in dem auch einige Massagen angeboten werden. Wir schwitzen erst im duftenden Heubad und gehen dann zur Massage.

Ich liege auf dem Bauch, und die Therapeutin fragt, ob es einen Bereich gebe, um den sie sich besonders kümmern solle? Ich sage ihr, dass ich gern Rad fahre, eine Massage der Beine wäre eine Wucht, besonders die Oberschenkel. Sie sagt, “Na, dann wollen wir mal”, und schlägt das Tuch zur Seite. “Ach, da haben Sie aber einen hübschen blauen Fleck. Wo haben Sie den denn her?” Ich muss kurz nachdenken. “Ich war zum Schnitzel essen eingeladen…”

Gastgeber aus Leidenschaft. Hartung’s Hotel Dorf ist ein lebendiger Ort, schlichte aber schöne Zimmer, nicht zu viel Alpenkitsch, überraschend gute, vor allem auch leichte Küche.

See-Dorf mit Weitblick. Hopfen am See liegt am Hopfensee und ist eigentlich ein Stadtteil von Füssen. Wegen der Promenade am recht warmen Wasser nennt sich der Ort die “Riviera des Allgäus”.

Gesundheit pur. Man kann es sich hier gut gehen lassen, nicht nur in Hartung’s Hotel Dorf. Hier findet man die besten Alpenwellness-Angebote für die Region.

Liebe Grüße vom Hopfensee

Schlüsselwörter

Geschrieben von:

Nina Franke, seit über 10 Jahren Gastgeberin in Hartung's Hotel Dorf in Hopfen am See, Mutter von Felix und Moritz Hartung, bezeichnet sich selbst als "Mädchen für alles". Bei ihr laufen die Fäden aller Abteilungen zusammen und sie ist täglich für ihre Gäste Ansprechpartnerin an der Rezeption.